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Rubrik |  Upmove News

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12.02.2013 / 2782 Tage alt
Eingestellt von: upmove
[Legal Biken]  „Was Wald ist, muss Wald bleiben“ – unter diesem Titel wurden Erholungssuchende in der Monarchie aus dem Wald vertrieben.
Beim Wort „Wegefreiheit“ stellt es Mountainbikern in Österreich die Haare auf. Obwohl der Sport aus seiner Pubertierenden-Phase zum akzeptierten Volkssport herangereift ist, biken wir in einem landschaftlichen Juwel noch immer illegal. Upmove tritt für die Öffnung der Forststraßen und Wanderwege für Mountainbiker ein. Mit dieser Serie wollen wir das Verständnis und die Toleranz aller Waldnutzer erhöhen und euch kompakt Wissenswertes zum Thema „Wegefreiheit“ vermitteln.

Teil 1: Historie – Bauernaufstand und Kaiserpatent.


Der Wald gehörte einmal uns allen


Es schadet nie einen Blick in die Vergangenheit zu werfen um einen aktuellen Konflikt zu verstehen. Besonders nicht in Österreich, wo sich Geschichte bekanntlich wiederholt. So auch in der Diskussion um die Betretung des Waldes. Es sei gleich vorweg genommen, dass Mountainbiker heute die gleichen Argumente entgegengestellt werden, wie Wanderern vor rund 150 Jahren. Eine kompakte Retrospektive.

Die erste große Fehde rund um den Wald (Eigentum und Betretung) wurde mit der Revolution 1848 gelöst. Davor herrschten adelige Grundherren über Land und Leute, Bauern waren Untertanen. Mit der Anlegung des Steuerkatasters entbrannte der Konflikt um den Wald – zu diesem Zeitpunkt noch zwischen Bauern und Staat. Die Bauerngemeinden sahen den Wald als ihre alten „gemain“ – ihr Eigentum, während der Staat den Wald als herrenlose Fläche erkannte, welche an die Landesfürsten fallen sollte. Der Konflikt wurde nicht politisch, sondern mit der Revolution 1848 gelöst. Bauern waren von nun an freie Eigentümer ihres Bodens.

Die Jagd schlägt zurück


Wie stark der Einfluss der Jägerschaft in Österreich auf die Politik ist, zeichnet sich bereits im 19. Jahrhundert ab. Die Niederlage der Revolution ließ man nicht lange auf sich sitzen. Bereits ein Jahr später erließ die Regierung das Jagdpatent von 1849. Mit ihr wurde das Jagdrecht, welches zuvor Adeligen und Grundherren vorbehalten war, geregelt. Großgrundbesitzern (über 200 Joch Grund) wurde das Recht auf Eigenjagd zugesprochen, Kleingrundbesitzer (unter 200 Joch) waren gezwungen eine Gemeindejagd zu organisieren. In weiterer Folge musste die Gemeindejagd über den adeligen Bezirkshauptmann verpachtet werden, woraufhin die Jagd wieder an die benachbarten Großgrundbesitzer und Adeligen zurückfiel.

Eine richtige Retourkutsche der Jägerschaft bringt das Reichsforstgesetz 1852. Grundsätzlich geht dieses Gesetz von einem freien Betretungsrecht aus, wie der Verfassungsgerichtshof 1984 feststellte, allerdings wurde das Forstpersonal mit umfangreichen Rechten ausgestattet um die Bevölkerung aus dem Wald zu drängen. §55 des RFG 1852 stellt jedermann unter Generalverdacht den Wald zu beschädigen: „amtlich beeidetes Forstpersonal ist verpflichtet, jedermann aus dem Wald zu weisen, der diese außerhalb der öffentlichen Wege betritt und dessen Aufenthalt im Wald zur Besorgnis für die öffentliche Sicherheit über das Waldeigentum veranlasst.“ Als „Forstfrevel“ wurden – meist harmlose – Handlungen wie Sammeln von Klaubholz, Waldfrüchten und Schwämmen, Bildung neuer und Benützung aufgelassener Wege und Verbleiben im Wald ohne ausdrückliche Anweisung kriminalisiert. Der Einfluss der Jagd wurde zudem von direkten Gesetzen Kaiser Franz Josephs – ein Jagdliebhaber – vergrößert. Unter dem Motto „Was Wald ist, muss Wald bleiben“ wurden Weidegebiete eingeschränkt und Almen zum Schutz der Jagd gesperrt. Die Schonzeit wurde per Gesetzt eingeführt und in zahlreichen Fällen wurde die Allgemeinheit aus Waldgebieten ausgesperrt um eine ungestörte Jagd zu gewährleisten. Der Wildbestand wuchs enorm, obwohl auch der Abschuss zunahm. Als Beispiel: der Bestand von Rotwild in der k.k.-Forst- und Domänenverwaltung Mürzsteg betrug 1850 50 Stück und 1885 bereits 1.200 Stück. Die Waldschäden durch Wildverbiss waren enorm, doch die Jägerschaft hatte schnell Schuldige gefunden: Wanderer scheuchten das Wild auf. Ein Argument wie aus der heutigen Zeit, nur dass zu Ende des 19. Jahrhunderts der Tourismus noch in den Kinderschuhen steckte.

Erholungssuchende bekommen eine Lobby


Durch die Industrialisierung stieg in den 1870er Jahren das Bedürfnis nach Erholung, mit der steigenden Mobilität entwickelte sich parallel der Reise- und Fremdenverkehr. Auch in Österreich erkannte man das Potential des neuen Wirtschaftszweiges, immerhin verdienten 1882 bereits 16.000 Bedienstete in dieser Branche ihr Geld und in der Schweiz, Vorreiter im Tourismus wurden rund 120 Millionen Franken umgesetzt. Doch die zahlreichen Absperrungen der Großgrundbesitzer, Jagdherren und Jagdpächter hemmten den aufkeimenden Fremdenverkehr.

Als erste Lobbyisten der Erholungssuchenden wurden 1862 der Österreichische Alpenverein und 1895 die Naturfreunde gegründet. Während der Alpenverein mit seiner bürgerlichen Basis versuchte durch Verhandlungen einvernehmliche Lösungen mit Großgrundbesitzern zu finden, setzten sich die Naturfreunde aktionistischer und militanter gegen Betretungsverbote ein. Trotz der bekannten Gefahr, dass Jäger Wanderer mit vorgehaltener Waffe aus dem Wald eskortierten, riefen sie in diesen Gebieten zu zivilem Ungehorsam auf. Öffentlich ausgeschriebene Wanderungen durch gesperrtes Gebiet und die Kategorie „Der verbotene Weg“ brachten die Thematik an die Öffentlichkeit. Die Naturfreunde waren es leid bei Großgrundbesitzern zu betteln, hielten dieses Verhalten für alpine Vereine für unwürdig.

Mit dem Zunehmen des Fremdenverkehrs und dem Ende der Monarchie – und der einhergehenden Abschaffung des Adelsstandes – wurden jagdlichen Eskapaden ein Ende Gesetzt und in den Ländern Kärnten (1923), Oberösterreich (1921), Salzburg (1920) und der Steiermark (1922) nach dem ersten Weltkrieg Gesetze über die Wegefreiheit im Bergland verabschiedet. Ein allgemeines Recht zum Betreten des Waldes wurde darin nicht formuliert, allerdings der Zugang zum Bergland durch den Wald geregelt.

Kriegsjahre und Zwischenkriegszeit


In den Kriegsjahren und der Zwischenkriegszeit spielte – bis auf die oben erwähnte Landesgesetze – die Wegefreiheit im Wald wenig Rolle. Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland gab es allerdings einen Entwurf nach dem deutschen Reichsforstgesetz, welcher dem Wald den Charakter eines Volksgutes zusprach. In diesem wären Waldbesitzer nur Verwalter eines vom Volk zur Verfügung gestellten Gutes gewesen. 1942 lag der endgültige Entwurf zur Beschlussfassung vor, wurde aber als nicht kriegswichtig eingestuft und daher nie beschlossen.


Der Inhalt dieses Artikels basiert auf Mario Offenhubers „Wegefreiheit im Wald II – Historische Entwicklung in Österreich“, 2003.
Historische Entwicklung Teil 1 zur Serie Wegefreiheit! Rubrik , Autor: upmove Aktuell News über Historische Entwicklung Teil 1 zur Serie Wegefreiheit!, , Autor: upmove Du suchst Informationen über Historische Entwicklung Teil 1 zur Serie Wegefreiheit! dann bist Du in der Rubrik des upmove.eu Magazin richtig! „Was Wald ist, muss Wald bleiben“ – unter diesem Titel wurden Erholungssuchende in der Monarchie aus dem Wald vertrieben. Legal Biken Magazin: Historische Entwicklung Teil 1 zur Serie Wegefreiheit!
Beim Wort „Wegefreiheit“ stellt es Mountainbikern in Österreich die Haare auf. Obwohl der Sport aus seiner Pubertierenden-Phase zum akzeptierten Volkssport herangereift ist, biken wir in einem landschaftlichen Juwel noch immer illegal. Upmove tritt für die Öffnung der Forststraßen und Wanderwege für Mountainbiker ein. Mit dieser Serie wollen wir das Verständnis und die Toleranz aller Waldnutzer erhöhen und euch kompakt Wissenswertes zum Thema „Wegefreiheit“ vermitteln. Teil 1: Historie – Bauernaufstand und Kaiserpatent. Der Wald gehörte einmal uns allen Es schadet nie einen Blick in die Vergangenheit zu werfen um einen aktuellen Konflikt zu verstehen. Besonders nicht in Österreich, wo sich Geschichte bekanntlich wiederholt. So auch in der Diskussion um die Betretung des Waldes. Es sei gleich vorweg genommen, dass Mountainbiker heute die gleichen Argumente entgegengestellt werden, wie Wanderern vor rund 150 Jahren. Eine kompakte Retrospektive. Die erste große Fehde rund um den Wald (Eigentum und Betretung) wurde mit der Revolution 1848 gelöst. Davor herrschten adelige Grundherren über Land und Leute, Bauern waren Untertanen. Mit der Anlegung des Steuerkatasters entbrannte der Konflikt um den Wald – zu diesem Zeitpunkt noch zwischen Bauern und Staat. Die Bauerngemeinden sahen den Wald als ihre alten „gemain“ – ihr Eigentum, während der Staat den Wald als herrenlose Fläche erkannte, welche an die Landesfürsten fallen sollte. Der Konflikt wurde nicht politisch, sondern mit der Revolution 1848 gelöst. Bauern waren von nun an freie Eigentümer ihres Bodens. Die Jagd schlägt zurück Wie stark der Einfluss der Jägerschaft in Österreich auf die Politik ist, zeichnet sich bereits im 19. Jahrhundert ab. Die Niederlage der Revolution ließ man nicht lange auf sich sitzen. Bereits ein Jahr später erließ die Regierung das Jagdpatent von 1849. Mit ihr wurde das Jagdrecht, welches zuvor Adeligen und Grundherren vorbehalten war, geregelt. Großgrundbesitzern (über 200 Joch Grund) wurde das Recht auf Eigenjagd zugesprochen, Kleingrundbesitzer (unter 200 Joch) waren gezwungen eine Gemeindejagd zu organisieren. In weiterer Folge musste die Gemeindejagd über den adeligen Bezirkshauptmann verpachtet werden, woraufhin die Jagd wieder an die benachbarten Großgrundbesitzer und Adeligen zurückfiel. Eine richtige Retourkutsche der Jägerschaft bringt das Reichsforstgesetz 1852. Grundsätzlich geht dieses Gesetz von einem freien Betretungsrecht aus, wie der Verfassungsgerichtshof 1984 feststellte, allerdings wurde das Forstpersonal mit umfangreichen Rechten ausgestattet um die Bevölkerung aus dem Wald zu drängen. §55 des RFG 1852 stellt jedermann unter Generalverdacht den Wald zu beschädigen: „amtlich beeidetes Forstpersonal ist verpflichtet, jedermann aus dem Wald zu weisen, der diese außerhalb der öffentlichen Wege betritt und dessen Aufenthalt im Wald zur Besorgnis für die öffentliche Sicherheit über das Waldeigentum veranlasst.“ Als „Forstfrevel“ wurden – meist harmlose – Handlungen wie Sammeln von Klaubholz, Waldfrüchten und Schwämmen, Bildung neuer und Benützung aufgelassener Wege und Verbleiben im Wald ohne ausdrückliche Anweisung kriminalisiert. Der Einfluss der Jagd wurde zudem von direkten Gesetzen Kaiser Franz Josephs – ein Jagdliebhaber – vergrößert. Unter dem Motto „Was Wald ist, muss Wald bleiben“ wurden Weidegebiete eingeschränkt und Almen zum Schutz der Jagd gesperrt. Die Schonzeit wurde per Gesetzt eingeführt und in zahlreichen Fällen wurde die Allgemeinheit aus Waldgebieten ausgesperrt um eine ungestörte Jagd zu gewährleisten. Der Wildbestand wuchs enorm, obwohl auch der Abschuss zunahm. Als Beispiel: der Bestand von Rotwild in der k.k.-Forst- und Domänenverwaltung Mürzsteg betrug 1850 50 Stück und 1885 bereits 1.200 Stück. Die Waldschäden durch Wildverbiss waren enorm, doch die Jägerschaft hatte schnell Schuldige gefunden: Wanderer scheuchten das Wild auf. Ein Argument wie aus der heutigen Zeit, nur dass zu Ende des 19. Jahrhunderts der Tourismus noch in den Kinderschuhen steckte. Erholungssuchende bekommen eine Lobby Durch die Industrialisierung stieg in den 1870er Jahren das Bedürfnis nach Erholung, mit der steigenden Mobilität entwickelte sich parallel der Reise- und Fremdenverkehr. Auch in Österreich erkannte man das Potential des neuen Wirtschaftszweiges, immerhin verdienten 1882 bereits 16.000 Bedienstete in dieser Branche ihr Geld und in der Schweiz, Vorreiter im Tourismus wurden rund 120 Millionen Franken umgesetzt. Doch die zahlreichen Absperrungen der Großgrundbesitzer, Jagdherren und Jagdpächter hemmten den aufkeimenden Fremdenverkehr. Als erste Lobbyisten der Erholungssuchenden wurden 1862 der Österreichische Alpenverein und 1895 die Naturfreunde gegründet. Während der Alpenverein mit seiner bürgerlichen Basis versuchte durch Verhandlungen einvernehmliche Lösungen mit Großgrundbesitzern zu finden, setzten sich die Naturfreunde aktionistischer und militanter gegen Betretungsverbote ein. Trotz der bekannten Gefahr, dass Jäger Wanderer mit vorgehaltener Waffe aus dem Wald eskortierten, riefen sie in diesen Gebieten zu zivilem Ungehorsam auf. Öffentlich ausgeschriebene Wanderungen durch gesperrtes Gebiet und die Kategorie „Der verbotene Weg“ brachten die Thematik an die Öffentlichkeit. Die Naturfreunde waren es leid bei Großgrundbesitzern zu betteln, hielten dieses Verhalten für alpine Vereine für unwürdig. Mit dem Zunehmen des Fremdenverkehrs und dem Ende der Monarchie – und der einhergehenden Abschaffung des Adelsstandes – wurden jagdlichen Eskapaden ein Ende Gesetzt und in den Ländern Kärnten (1923), Oberösterreich (1921), Salzburg (1920) und der Steiermark (1922) nach dem ersten Weltkrieg Gesetze über die Wegefreiheit im Bergland verabschiedet. Ein allgemeines Recht zum Betreten des Waldes wurde darin nicht formuliert, allerdings der Zugang zum Bergland durch den Wald geregelt. Kriegsjahre und Zwischenkriegszeit In den Kriegsjahren und der Zwischenkriegszeit spielte – bis auf die oben erwähnte Landesgesetze – die Wegefreiheit im Wald wenig Rolle. Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland gab es allerdings einen Entwurf nach dem deutschen Reichsforstgesetz, welcher dem Wald den Charakter eines Volksgutes zusprach. In diesem wären Waldbesitzer nur Verwalter eines vom Volk zur Verfügung gestellten Gutes gewesen. 1942 lag der endgültige Entwurf zur Beschlussfassung vor, wurde aber als nicht kriegswichtig eingestuft und daher nie beschlossen.
Der Inhalt dieses Artikels basiert auf Mario Offenhubers „Wegefreiheit im Wald II – Historische Entwicklung in Österreich“, 2003.
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Kommentare
  • Userbild - upmove

    upmove: Damit wir Dich auch weiter über das Thema rund um die Wegefreitheit für Mountainbike in Österreich informieren können wäre es hilfreich, wenn du dich entweder auf www.upmove-mtb.eu kostenlos registrierst
    oder ein Like für unsere Facebookseite www.facebook.com/upmovemtb gibst.
    Liebe Grüße Dein upmove Service Team

    Gefällt mir · Gefällt 1 Person · Kommentieren · 01.03.2014 / 2399 Tage alt

    Historische Entwicklung Teil 1 zur Serie Wegefreiheit! Rubrik Upmove News, Autor: upmove